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Chronik Mädchen und Frauen

Aufgrund der FIFA-Frauen-WM in Deutschland 2011 wurden die Verantwortlichen des FV Obereichstätt von der Regionalzeitung, dem Donaukurier, nach den „Meilensteinen“ ihrer erfolgreichen Frauenmannschaft gefragt, die in der Spielzeit 2010/11 alle Spiele in der Bezirksoberliga gewann und in die Landesliga aufstieg.

Eine solche Frage bietet natürlich einerseits die Möglichkeit in längst vergangenen Erinnerungen zu schwelgen (denn die erste Mädchenmannschaft trainierte bereits 15 Jahre zuvor, nämlich 1996), andererseits erscheint eine Antwort deshalb so schwierig, weil ja scheinbar „alles“ wichtig gewesen ist.

Von Anfang an dabei als Spielleiter und seiner 11jährigen Tochter Michaela, war Robert Reimann.

Für ihn gibt es folgende nennenswerte „Meilensteine“:

Als weiterer Meilenstein könnte sich das Jahr 2009 erweisen, in dem der FV Obereichstätt erstmals neben den U17-Juniorinnen auf Großfeld und den U15-Juniorinnen auf Kleinfeld eine U13-Mannschaft ins Rennen schickte.

Der Vollständigkeit halber sei die vergangene Spielzeit  2010/11 nochmals erwähnt: Die U17-Juniorinnen wurden Meister und steigen nun in die Bezirksoberliga auf, die zweite Frauenmannschaft sicherte sich den Meistertitel in der Kreisliga, die BOL-Frauen schossen in 22 Spielen 94 Tore und holten alle 66 Punkte. Somit betreten sie bald „Neuland“ in der Landesliga.

Aufgrund dieser Informationen befand sich direkt über dem Spielplan der Frauen-WM folgender Zeitungsartikel:

Obereichstätt (dno) Seit den Anfängen im Jahr 1996 hat sich der FV Obereichstätt zu einer echten Hausnummer im Frauen-Fußball entwickelt. Drei Meisterschaften in der abgelaufenen Saison sind nur ein Indiz, dass bei dem Verein aus dem Eichstätter Landkreis gut und erfolgreich gearbeitet wird. Dabei war der Start gar nicht so einfach. Alles begann mit einer Unterschriftenaktion.

Die damals zwölfjährige Maria Rußer und ihre Freundinnen Kathrin Schillhuber und Lisa Mödl sprachen beim Vorsitzenden Xaver Kleinhans vor und baten um die Gründung einer Mädchenmannschaft. „Wir sind dann durch das Dorf gezogen und haben auch in der Schule bei sämtlichen Mädchen nachgefragt“, erinnert sich die 27-jährige Rußer, die – wie viele andere – auch heute noch aktiv ist und zu den Stützen der Mannschaft zählt. „Nachdem wir rund 15 Zusagen hatten, ging es ratz fatz“, so Rußer weiter. Die Mädels wurden fortan ein Jahr lang von Helmut Hruschovsky (unterstützt von Jochen Polak) trainiert und bestritten ihre ersten Freundschaftsspiele. In der Saison 1997/98 nahm dann erstmals eine Mannschaft am Wettspielbetrieb teil. Unter der Leitung von den drei Trainern Jürgen Schließer, Rainer Knopf und Robert Schneider erreichten die Mädels gleich den ersten Platz. Nachdem auch die zweite Mannschaft, die außer Konkurrenz spielte, sehr erfolgreich war, wagte man anschließend den Schritt auf das Großfeld. Als weiterer Meilenstein in der Geschichte ist das Jahr 2000 mit der Gründung einer Frauen-Mannschaft zu sehen. Damit genügend Spielerinnen vorhanden waren, schnürten die Mütter Siglinde Fichtl und Beatrice Schillhuber bis 2006 ihre Fußballschuhe. Derweil kickten Spielerinnen wie Mödl, Michaela Reimann, Anna-Maria-Fichtl oder Sigrid Weidenhiller – die für die Frauen noch zu jung waren – in der U17-Mannschaft und holten zweimal in Folge die Meisterschaft. Großen Anteil daran hatte auch die seinerzeit neunjährige Jana Helmschmidt, die später noch alle bayerischen Auswahlmannschaften durchlaufen sollte. Unter Trainer Matthias Ablassmeier stiegen die Frauen 2003/04 von der Kreis- in die Bezirksliga auf und die U17 wurde unter den Trainern Karl-Heinz Neumeyer, Hans Bösl und Markus Rein in den folgenden drei Jahren Mittelfränkischer Meister sowie Pokalsieger. 2006 ging es für die Frauen mit fast identischer Besetzung wieder eine Etage höher: Unter Trainer Stefan Schmid schaffte die Elf den Aufstieg in die Bezirksoberliga. 2007 wurde dann eine zweite Frauenmannschaft gegründet, zwei Jahre später sogar die U13-Juniorinnen.  

Der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte war jetzt 2011 der Aufstieg der Frauen-Mannschaft in die Landesliga und gleichzeitig die Meisterschaft des Kreisliga-Teams sowie der Wiederaufstieg der U17-Juniorinnen. Und das mit einem Budget von null Euro, denn beim FVO gibt es keinen extra Sponsor für die einzelnen Mannschaften. Trainer Helmut Heindl, der auch schon die Obereichstätter Männer sowie 2005 die Frauen trainiert hat, erklärt, dass mit den Frauen wesentlich sensibler umgegangen werden muss. „Man muss auf jeden Fall auf die Wortwahl achten. Da sind die Frauen viel empfindlicher“, so Heindl, der mit einem Lachen hinzufügt: „Die Frauen finden dagegen immer einen Grund zum Feiern. Das ist schon ein eingeschworener Haufen, der sehr viel in der Freizeit miteinander unternimmt.“ Aktuell nimmt der FV Obereichstätt mit fünf Mannschaften am Spielbetrieb teil. Die rund 70 Fußballerinnen sind in über 20 Ortschaften aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus verstreut. Nur ein ganz kleiner Teil selbst kommt aus Obereichstätt.

„Am meisten ärgert es mich, dass es noch immer Mädchen und Eltern gibt, die mich erstaunt anschauen und nicht wissen, dass sie beziehungsweise ihre Töchter bei uns Fußball spielen könnten“, sagt Rein, der seit elf Jahren in verschiedenen Funktionen dabei ist. Unabhängig davon zieht er ein absolut positives Fazit: „Trotz einiger kleinerer Einbrüche ist das bis jetzt eine einzige Erfolgsgeschichte.“ Auf mehreren hundert Seiten hat er alles genauestens festgehalten. Spielberichte, Tabellen, Statistiken, Mannschaftsfotos und Bilder von den Veranstaltungen kleben in seinem Archiv. Beim Durchblättern gerät der 34-jährige regelrecht ins Schwärmen und man merkt schnell, dass Rein mit Herzblut und Leidenschaft bei der Sache ist. Er trainiert und betreut die Mädels, organisiert die Fahrten zu den Spielen und kümmert sich auch um zusätzliche Aktionen, wie beispielsweise einen Winterurlaub im Fichtelgebirge, die traditionellen Weihnachts- und Abschlussfeiern, macht Stimmung mit seiner Gitarre und gibt zur Not auch mal Nachhilfeunterricht.

Rein verdeutlicht immer wieder, dass es beim FVO nicht nur auf das Fußballspielen alleine ankommt. Man will den Mädchen und jungen Frauen mehr bieten. „Sie sollen später einmal nicht nur an den Fußball zurückdenken“, sagt Rein, „sondern auch an das Drumherum. Denn das sind Erlebnisse, die man einfach nicht vergisst.“ Und so wird man auch vor allem die deutschen Spiele bei der Frauen-Weltmeisterschaft gemeinsam im Vereinsheim anschauen. Ein Besuch im Stadion ist wegen des gleichzeitig stattfindenden Erdinger-Meistercups nicht möglich.

Last but not least gibt es einen geistigen wie anpackenden Übervater dieser Erfolgsstory in dem 700-Seelen-Dorf an der Altmühl. Robert Reimann, Vater der seit 1996 spielenden Michaela, war von Anfang an der organisierende Spielleiter und zugleich größter Fan wie Kritiker seiner Mannschaften. Heute ist er so etwas wie der „Abteilungsleiter“ im Bereich Mädchen- und Frauenfußball beim FVO, Spielleiter der beiden Frauen-Teams, Organisator des jährlichen Trainingslagers in Italien sowie „Scout“ im ganzen Landkreis.

 


Oberste Reihe: Peter Schöpfel, Robert Schneider, Reinhard Knopf, Jürgen Schließer
Mädchen stehend: Anne-Kathrin Templer, Maria Rußer, Lisa Mödl, Susanne Schillhuber, Kathrin Schillhuber, Julia Schneider, Birgit Betz, Daniela Stössl
Mädchen kniend: Stefanie Vielberth, Michaela Reimann, Anna-Maria Fichtl, Anna Finsterer, Sonja Lacker, Natalie Lacker, Marion Thirmeyer, Ines Renn.
      
 


Stehend: Kerstin Kleinhans, Maria Rußer, Kathrin Schillhuber, Simone, Neumeier, Anna Finsterer, Julia Schneider, Susanne Schillhuber, Lisa Mödl,
sitzend:  Johanna Salzner, Birgit Betz, Michaela Reimann, Sonja Lacker, Marion Thirmeyer, Natalie Lacker, Anna-Maria Fichtl.

 


Meister Landesliga 2012



Pokalsieger 2012



U17 Meister BZL 2013


Meister Bezirksoberliga 2017
 




SG Frauen 2 Kreisliga 2024/25
 



Frauen Landesliga 2024/25
 



Frauen Landesliga 2025/26
 


Ein Umbruch mit Folgen: FV Obereichstätt zahlt in der Landesliga Lehrgeld.

Es sollte nicht sein: Die Fußballerinnen des FV Obereichstätt verabschieden sich mit einer Niederlage aus der Landesliga Nord, "in der Vorsaison belegte man noch den dritten Platz".
Im letzten Saisonspiel unterlag die Mannschaft von Trainerin Manuela Moritz beim SV Neusorg mit 0:2. Die Offensive bleibt die große Baustelle Für beide Teams ging es tabellarisch zwar um nichts mehr, dennoch wollten die Obereichstätterinnen ihre jüngste Niederlagenserie beenden und sich mit einem positiven Gefühl in die Sommerpause verabschieden. Über weite Strecken der Partie gelang das auch. Allerdings zeigte sich auch in Neusorg noch einmal das große Problem der abgelaufenen Saison: die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive. Trotz einiger Möglichkeiten blieb die Elf von Trainerin Manuela Moritz erneut ohne eigenen Treffer, während die Gastgeberinnen ihre Chancen konsequenter nutzten. Bereits in der 5. Minute ging der Gastgeber in Führung. Ein Flankenversuch von Lilly Nitzsche wurde immer länger und senkte sich unhaltbar ins lange Eck. FVO-Torhüterin Susanna Bauer, die die verhinderte Stammkeeperin Lea Vitzthum vertrat, war dabei chancenlos. In der 24. Minute erhöhte Paula Netzel nach einer Ecke auf 2:0. Danach stabilisierte sich die Defensive des FV Obereichstätt zwar, offensiv blieb das Team allerdings weiterhin zu harmlos. „Durch unseren großen Umbruch im Sommer mussten wir uns auf den Schlüsselpositionen im zentralen Mittelfeld und im Sturm komplett neu aufstellen“, erklärt Trainerin Manuela Moritz die größten Baustellen der abgelaufenen Saison. Die Bilanz spricht letztlich für sich: 18 Tore, zwölf Punkte und der letzte Tabellenplatz.

Der große Umbruch als Herausforderung


„Das oberste Ziel vor der Saison war natürlich der Klassenerhalt. Allerdings war uns allen bewusst, dass das eine sehr schwere Aufgabe werden würde“, sagt Moritz weiter. Umso wichtiger sei es für sie gewesen, aus der neu zusammengestellten Mannschaft eine echte Einheit zu formen – und genau das sei gelungen. Und auch sportlich sei nicht alles negativ gewesen. „Zur Winterpause standen wir noch auf einem Nichtabstiegsplatz. Da hat man gesehen, dass wir durchaus mithalten können“, erzählt die 38-Jährige. Gerade in der Rückrunde seien der Mannschaft dann aber ihre Grenzen aufgezeigt worden. Während in der Hinserie noch regelmäßig gepunktet wurde, setzte es nach der Winterpause viele knappe Niederlagen – oftmals mit nur einem Tor Unterschied.

„Unser Kader war leistungstechnisch nicht durchgehend auf Landesliga-Niveau. Wir mussten viele Nachwuchsspielerinnen sowie Spielerinnen aus der zweiten Mannschaft integrieren“, erklärt Moritz. Mit Blick auf die Abschlussplatzierung hat die Trainerin dennoch eine klare Meinung: „Ob der letzte Platz am Ende wirklich verdient ist, wage ich zu bezweifeln, weil wir in vielen Partien eine gute Spielanlage hatten.“ Dabei hätten die FVO-Frauen oft gut mithalten können, „aber Spiele bestimmen konnten wir noch nicht“. Damit werden nach der Sommerpause die Fußballschuhe wieder in der Bezirksoberliga geschnürt. Der erzwungene Neuanfang könnte für den FV Obereichstätt dabei auch eine Chance sein, sich weiter zu sortieren und als Mannschaft weiterzuentwickeln. Mit einem nahezu unveränderten Kader blickt Trainerin Manuela Moritz jedenfalls optimistisch auf die kommende Spielzeit und richtet den Fokus bereits wieder nach vorne.